Eine Sammlung alten Handwerks und Wohnkultur im Mittelrheintal

Die alte Schreibmaschine

Im Besitz des Dorfmuseum „Heimbachtal“ e.V. befindet sich diese alte Schreibmaschine. Wo mag sie einmal gestanden haben und wem hat sie treue Dienste getan? Stand sie in einer Anwaltskanzlei oder bei einem Notar? Kam sie einmal in einer Buchhaltung zum Einsatz und es wurden mit ihr unliebsame Rechnungen erstellt? Oder stand sie in der Praxis eines Arztes? Denkbar ist auch das sie einem Schriftsteller gehörte und mit ihr spannende Abenteuerberichte oder Romane erstellt wurden. Es könnten auch mir ihr im diplomatischen Dienst  geheime Noten und Depeschen geschrieben worden sein. Alles denkbar! Es ist ein Geheimnis und wird im Dunkeln bleiben.

Tatsache ist, bei diesem Prachtstück handelt es sich um eine Schreibmaschine  vom Typ Wanderer-Continental „Silenta“. Diese fast lautlos arbeitende Schreibmaschine war mit ihrem speziellen Hebelwerk weltweit  konkurrenzlos.

Die 1885 in Chemnitz gegründeten Wanderer-Werke waren ein bedeutender und sehr erfolgreicher Hersteller von  hochwertigen Werkzeugmaschinen, Schreibmaschinen, Rechenmaschinen, Fahrrädern, Motorrädern und Autos.

Den Namen „Wanderer“ bezogen die beiden Firmengründer Jaenicke und Winklhofer aus der Übersetzung der Bezeichnung „Rover“, die der Engländer John Kemp Starley seinen Fahrrädern gegeben hatte.

Nach dem Krieg kam es am 30. Juni 1946 zu dem von der sowjetischen Besatzungsmacht wohlwollend geduldeten Volksentscheid über die Enteignung. Aufgrund dieses Volksentscheides wurden sowohl die Wanderer-Werke als auch die Auto Union enteignet und 1948 teilweise demontiert und als Reparationsleistungen in die Sowjetunion verbracht. Anschließend wurden die Werke zerschlagen und als volkseigene Betriebe (VEB) neu geordnet.

In der Bundesrepublik war die Wanderer-Werke AG zuletzt als Finanzholding ohne eigenen Geschäftsbereich tätig und ging im Juli 2010 in die Insolvenz. Die Marke Wanderer wurde daraufhin von dem in Köln ansässigen Fahrradhersteller Hercules erworben.

               

 

 

Der blitzblanke alte Küppersbusch – Herd

Ein ehemaliger Niederheimbacher Bürger gab die Wohnung seiner verstorbenen Mutter dem Dorfmuseum zum entrümpeln frei.  Viele interessante alte Gegenstände und Mobiliar konnte so zum weiteren Gebrauch und zur Ausstattung des Museums gerettet und erhalten werden. Dies war auch der  Hauptgrund  im Sinne des Spenders.

Unteranderem stand dort ein alter „ Küppersbusch“ Küchenherd. Der Aus- und Wiederaufbau gestaltete sich schwierig, aber letztendlich hat sich aller Aufwand mehr als gelohnt.  Schwere Schamottesteine waren vorsichtig auszubauen und an Ort und Stelle wieder zusammen zu bringen.  Die Herdplatte wurde liebevoll wieder zum Blinken gebracht. Die metallene Herdumrandung, die Ofenringe und das „Schiffchen“ wurden wieder auf Vordermann gebracht. 

Erinnerungen an unsere Kindheit wurden wach:

Der Backofenteil wurde früher von den Kindern nach dem Schlittenfahren benutzt, um die kalten und nassen Füße zu erwärmen. Schuhwerk wie heute üblich, gab es damals noch nicht. Im „Schiffchen“ wurde als Nebenprodukt beim Heizen, warmes Wasser für den Haushalt  erzeugt. Unsere Vorfahren wussten schon mit der Energie umzugehen und zu haushalten.  Oftmals war der Küchenherd die einzige Wärmequelle in der Wohnung.

Heute ist dieser alte Küchenherd ein „Hingucker“ im Dorfmuseum „Heimbachtal“ e.V.  Niederheimbach.

Zur historischen Entwicklung des Herstellers unseres Herdes:  Der Gründer dieses Unternehmens Küppersbusch. Friedrich Küppersbusch wurde am 10 Juli 1832 in Werden/Ruhr geboren und erlernte das Schlosserhandwerk.   Dort stellte er überwiegend Vorhänge-und Türschlösser her. 1874 begann er mit der handwerklichen Fertigung von Kohleherden.  Er gründete im Jahre 1875 zusammen mit seinen Söhnen in Schalke/Gelsenkirchen einen Betrieb für Eisenwaren und Haushaltsgegenständen. Gleichzeitig begann er mit der Konstruktion von Kochherden, mit denen er 1880 in die Serienproduktion ging. Kurz danach ließ Küppersbusch eine neue Fabrikationsstätte errichten.

Das Unternehmen F. Küppersbusch & Söhne wurde später in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.  Mit rund 2.000 Mitarbeitern war sie bei Küppersbuschs Tod am 29.April 1907 in Düsseldorf, die größte Spezialfabrik für Kochapparate aller Art in Deutschland.

Das 1875 gegründete Unternehmen gehört heute der Teka-Gruppe mit Hauptsitz in der Schweiz an und ist mittlerweile International aufgestellt und vertreibt seine Geräte in alle Kontinente.

 

 

Die alte Standuhr

Diese Standuhr hat Ländergrenzen überwunden! Ihr erstmaliger Standort war in Hessen, genauer gesagt,  in Lorch am Rhein. Sie war dort lange Zeit die präzise  Zeitansage in einem pastoralen Haushalt.  Und wie es die Vorliebe des Pastors war, wie die übrigen Möbelstücke: In schwarz lackiert.

Alle Einrichtungsgegenstände seines Haushaltes hatte der Priester in schwarz gehalten und notfalls umstreichen lassen, so auch die Standuhr. Dem erstmaligen Besitzer hat es halt so gefallen.

Die Standuhr stammt aus den 1920 – 1925 Jahren. Die Stilrichtung ist Art - Decco. Diese Stilrichtung war nur relativ kurze Zeit modern.

Die Uhr ist voll funktionsfähig und in einem sehr guten Zustand. Sie schlägt zur

halben und zur vollen Stunde mit einem volltönenden Klang.

Als sie in den Jahren 1960 – 1965 das Land wechselte, kam sie über den Rhein nach Rheinland-Pfalz in den Ort Niederheimbach.

Der neue Besitzer hatte dieses Prachtstück geerbt, aber sie passte in schwarz nicht so richtig zu seiner  Wohnungseinrichtung. So ließ er das Gehäuse von einem ortansässigen Meisterbetrieb  wieder in seinen ursprünglichen holz-farbenen  Zustand versetzen.  Die Arbeit wurde so professionell  getätigt, dass  die Veränderung in dem heutigen Zustand nicht zu erkennen ist.  

Da die persönliche Wohnungseinrichtung der Mode und auch dem jeweils zeitlichem Geschmack unterworfen sind, hatte sich der Niederheimbacher Bürger schließlich entschlossen, die Standuhr dem Dorfmuseum „Heimbachtal“ zu überlassen. Dort weiß er sie gut aufgehoben.

Sie ist eine Bereicherung für die Ausstellung und wurde schon von vielen Besuchern bestaunt.

 

 

              Der alte Herrenzimmer-Jagdschrank

Ein Gönner unseres Vereines Dorfmuseum „Heimbachtal“eV. Niederheimbach bekam diesen Schrank für handwerkliche Gefälligkeiten bei einem Bekannten überlassen. Der Schrank stand schon mehrere Jahre in einer offenen Halle, dementsprechend war auch sein Zustand. Er hatte aber einmal bessere Zeiten gesehen. Die Schnitzereien auf seinen Türen zeigen eindeutig Jagdmotive und sein Alter kann man auf die Zeit zwischen 1860 und 1880 schätzen.  Man kann davon ausgehen, dass dieser  Schrank in einem noblen Herren/oder Jagdzimmer stand.  Als  Stilrichtung des Schrankes ist die Renaissance anzusehen.

Die Renaissance ist nicht nur eine kunstgeschichtliche Epoche, die den Menschen  wieder in den Mittelpunkt rückt. Dieses Wiederaufleben und Wiederentdecken prägt auch die Namensgebung:  Renaissance bedeutet wörtlich übersetzt: Wiedergeburt. Man versuchte damit die Epoche im 18. Und 19. Jahrhundert unter dem Begriff  „Renaissance“ zusammenzufassen.

Aber nun zurück zu unserem Jagdschrank. Die Jahre hatten an ihm genagt und ihre Spuren hinterlassen. Es waren umfangreiche Restaurierungsarbeiten erforderlich. Es wurde gesäubert, gereinigt, geschraubt, befestigt und nicht zuletzt nahm man den Kampf gegen den Holzwurm in Angriff. Das Team das sich den Schrank vornahm hatte schon einige Erfahrung (konnte es doch auf diverse wieder in Stand gesetzte Gegenstände vorher zurückblicken). Die „Behandlung“ ging über viele Tage, zuletzt nahm man sich die einzelnen Holzwurmlöcher  mit Spritzen vor.  Die Arbeiten wurden beobachtet und wenn notwendig noch nachgebessert, bis zum Schluss der Schrank wieder so hergestellt war, dass er heute im Dorfmuseum „Heimbachtal“ für die Besucher ein richtiger „Hingucker“ geworden ist.

Ende gut, alles gut!  Der Einsatz und die Arbeit haben sich gelohnt.

 

 

Konvolut  alter  Kameras

im Dorfmuseum „Heimbachtal“ e.V. in Niederheimbach

Unter Fotografie versteht man ein technisches Verfahren, bei welchem mittels optischer Systeme ein Lichtbild auf ein lichtempfindliches Material aufgenommen und dort längerfristig gespeichert werden kann.

Das Dorfmuseum beinhaltet in seinen Räumlichkeiten eine Auswahl an alten Kameras verschiedener Fabrikate. Unter anderem auch eine Balgenkamera „Enolde Vario“ im originalen  Lederetui, aus der Produktion von Franz Kochmann, der 1873 in Dresden geboren wurde.   Dieser interessierte sich schon in jungen Jahren für die damals bahn- brechende Reproduktionstechnik Fotografie. Auf  Grundlage seiner eigenen Ideen und Patente gründete er 1921 seine eigene Firma, wo einige namhafte Modelle hergestellt wurden. Unter ihnen die Enolde und Korelle-Serien. Die Reflex-Korelle-Modelle, die erstmals 1935 auf den Markt kamen, gehören zu den wegweisenden Konstruktionen der Kamerageschichte in den 1930er Jahren. Mit der Machtübernahme der Nazis, veränderte sich der gesellschaftliche Status, der jüdischen Familie Kochmann über Nacht.  Ein Ausreiseantrag wurde abgelehnt, allerdings erhielt die Familie die Erlaubnis nach Utrecht  zu gehen, das sich zu dieser Zeit unter der Kontrolle der Nazis befand. Hier gründete er eine neue Produktionsstätte. Im Jahre 1956 verstarb er  an den Folgen eines Verkehrsunfalles. Franz Kochmann hat visionäre Kameraprodukte ersonnen und die Fotografie weiter gebracht.

Die Zeiss Ikon Ikonta Novar  520/2 ist eine Faltkamera im Format 6 X 9. Das Metallgehäuse ist schwarz lackiert und teilweise schwarz  beledert. Auf der Vorderseite über der Frontklappe ist der Name „Ikonta“ ins Leder geprägt. Links unterhalb befindet sich ein Rotlichtfenster zur Kontrolle der Bilderanzahl. Die Optik ist ein Carl Zeiss Jena- Novar  Anastigmat. Der Verschluss ist ein Derval von Gauthier mit Zeiten von B bis 100stel und hat ein Gewinde zur Aufnahme eines Drahtauslösers. Die einfache aber dennoch für Zeiss Ikon typische Ausführung ist ein Hinweis darauf, dass es sich bei diesem Modell um ein Produkt für Einsteiger handelt.  Die Firma Carl Zeiss wurde im Jahre 1846 in Jena/Thüringen gegründet und hat heute ihren Hauptsitz in Oberkochen (Baden-Württemberg).

Die Ursprünge des Agfa Camera-Werkes liegen in der 1896 gegründeten optischen Anstalt Alexander Heinrich Rietzschel, der 1860 in Dresden geboren wurde. Er absolvierte eine Lehre bei Carl Zeiss Jena, bevor er nach München ging. Dort gründete er 1898 einen eigenen optischen Betrieb. Der Erfolg dieser Unternehmung beruhte vor allem auf dem Objektiv Linear 4,5, für das Rietzschel ein Patent erhielt. Eine Kamera folgte mit der Clack 1900.  Im Jahre 1921 übernahm die Bayer AG., Leverkusen mit 80% Anteilen das Unternehmen, das sie 1999 an die Börse führte. Seitdem hat die Agfa-Gevaert AG ihren Firmensitz in Mortsel/Belgien. Eine alte Agfa Prontor II Faltkamera mit Ledertasche und die allseits bekannte Agfa-Synchrom Box-Kamera befinden sich im Eigentum des Dorfmuseums „Heimbachtal“ e.V. Niederheimbach. Viele ältere Mitbürger haben mit der „Box“ ihre ersten Erfahrungen in der Fotografie gemacht.

Das amerikanische Unternehmen Eastman Kodak Company ging 1892 aus der Eastman Dry Plate Company hervor, das von dem Erfinder Georg Eastman und dem Geschäftsmann Henry Strong 1880 gegründet worden war.  Kodak ist ein erfundener Phantasie-Name, der kurz und prägnant sein sollte. Der Name sollte außerdem in allen Sprachen eine positive Bedeutung haben. Der Name „Kodak“ und das Logo wurden am 29.Oktober 1894 beim deutschen Markenregister angemeldet und am 5.April 1895 eingetragen. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Rochester/USA. Die Balgenkamera Kodak JR No.3-5 Autografic, mit Blendenwahl und Entfernungseinstellung ist Bestandteil unserer Sammlung.

Ja, es war einmal..… Wenn man sich überlegt, welch ein zeitlicher und finanzieller Aufwand zu den Zeiten dieser Kameras für S/W Fotos aufgebracht werden musste, ist das heutige „Knipsen“ mit dem Handy oder einer digitalen Kamera ein Kinderspiel. Es findet eine Inflation der Bilder statt: Was früher kostbar war und stolz gezeigt wurde, ist heute eine Massenware. Die Aufnahmen waren wertvoll, denn zu dem Filmpreis kam noch die chemische Entwicklung der Abzüge hinzu. Alles was damals schon vor der Aufnahme beachtet und mit viel Gefühl an der Kamera eingestellt werden musste, übernimmt heute die Elektronik. Inzwischen gibt es etliche professionelle Fotografen, die wieder bewusst nur S/W einsetzen, da mit dieser Aufnahmetechnik nur das Motiv, die Perspektive und die Belichtung die Wirkung eines Fotos ausmachen.